Erfahrungsbericht von Silvana Kunrath aus Puerto Rico

Mein Name ist Silvana Kunrath, ich wohne mit meiner Familie im Nordosten Argentiniens, das liegt an der Grenze zu Paraguay in Südamerika. Seit 6 Jahren lerne ich die deutsche Sprache und als ich 11 Jahre alt war entschloss ich mich in einigen Jahren an einem Schüleraustausch nach Deutschland teilzunehmen... Bei dieser festen Entscheidung blieb ich bis es wahr wurde.

Also bis zum 6. Dezember 2011, Tag meiner Abreise… Wohin wurde ich platziert?  Und wie kam es dazu, dass ich dahin kam? Seit Januar 2010 erschien meine Deutschgruppe und ich  in der Webseite der Brieffreundschaften von der Zeitschrift Geolino. Wir bekamen sehr, sehr viele Briefe aus der ganzen Welt. Nach 2 Jahren wurde dieser Kontakt mit unseren Brieffreunden stärker und wir schrieben regelmäßig mit allen. Ich habe 5 Brieffreundinnen, eine davon namens Isabelle Klein aus Aichwald. Als ich ihr schrieb, dass ich an dem Schüleraustausch teilnehmen wollte, schrieb mir ihre Mutter einen Brief in dem stand, dass ich die 3 Monate in Deutschland bei ihnen verbringen könnte... Das war im Juni… und… ich musste noch 6 Monate warten, bis zum 6. Dezember! Ich war so gespannt, der Tag rückte immer näher. Ich fuhr mit meinen Eltern und zwei Schwestern zum Flughafen nach Foz do Iguazú, Brasilien... Ich konnte noch nicht glauben, dass ich schon von meiner Familie Abschied nehmen musste und mein Heimatland verlassen würde. Bald würde ich eine neue Kultur und einen neuen Kontinent kennen lernen… Dann saß ich schon im Flugzeug und  flog nach Sao Paolo. Wir waren 10 Austauschschüler. Von Sao Paolo nach Frankfurt, Deutschland, waren es ca. 11 Stunden. Ich schlief nur... Am 7. Dezember ca. 10:30 Uhr kamen wir am Frankfurter Flughafen an. Dort erwartete uns die zuständige Person vom VDA, Frau Danuta Zeisig. Wir fuhren mit dem Bus zur Jugendherberge, wo wir 2 Tage Seminar hatten. Es war soo lustig und wir alle glaubten nicht, dass wir in Deutschland sind…

9. Dezember… Das bedeutete: Gastfamilie! Die Austauschschülergruppe trennte sich und jeder fuhr bis zum Hauptbahnhof, wo die Gastfamilie wartete. Ich fuhr bis Stuttgart. Dort war Isi, wer konnte das glauben? Von Stuttgart bis Aichwald waren es 20 Minuten. Am Anfang konnte ich nicht die Sprache verstehen und auch nicht sprechen. Plötzlich hörte ich nur Deutsch. Das Haus war so groß und schön. Anne, die jüngste Schwester, war zu Hause. Luisa, die älteste Schwester, in der Schule. Isi und Anne zeigten mir das Haus. Ohhhhhh mein Kopf! So viele Türen, ich verlief mich darin! Die ersten Tage waren für mich sehr schwer... Am Anfang hatte ich ein bisschen Heimweh. Auch war mir die Sprache noch nicht so geläufig, aber das gab sich bald. Auf einmal konnte ich Deutsch sprechen.

Am 12. Dezember begann die Schule. Ich fuhr jeden Tag 15 Minuten mit dem Bus zur Schule. Es war ein Gymnasium. Ich besuchte die 8. Klasse. Alles ganz anders als in Argentinien. In der Klasse waren nur 17 Schüler, alle sehr nett und lustig! Ich fühlte mich sehr wohl. Ich hatte zwei Wochen Schule und dann Weihnachstferien!

Am 24. Dezember waren wir in der Kirche und am Abend kamen die Eltern von Claudia. Ich bekam viele Geschenke. Am 25. Dezember, Weihnachten, waren wir im Wilhelma-Zoo in Stuttgart. Es war echt schön!

Am 27. Dezember machte ich meine erste Reise allein in Deutschland. Ich fuhr nach Dresden um Nadja Sokolovska zu besuchen. Nadja ist eine Brieffreundin, die ich auch durch die Zeitschrift Geolino habe. Es waren 6 Stunden  mit dem Zug! Nadja wartete auf mich. Sie ist sehr nett! Ihre Eltern sind sehr liebenswürdig. Sie wohnen in Hoyerswerda. Dresden ist wirklich eine wunderschöne und interessante Stadt… Am 30. Dezember  fuhr ich wieder zurück nach Aichwald. An Silvester waren wir in einem Restaurant, weil ein Onkel der Familie Geburtstag hatte.

Am 1. Januar fuhren wir 1 Woche nach Frankreich um Ski zu fahren. Es war sehr cool. Bis da konnte ich kein Ski-fahren, bei uns in Puerto Rico schneit es nicht. Unser Klima ist subtropisch. Es gab viel Schnee und ich habe meinen ersten Schneemann gebaut, der sehr komisch war. Einmal liefen wir (Claudia, Luisa und ich) durch den Wald. Die Sonne schien und es gab so viel Schnee, alles neu für mich! Alle Bäume waren weiß und es gab auch kleine Seen. Am 7. Januar 2012 fuhren wir zurück und ich musste dann wieder in die Schule.

Von 13. bis 17. Januar war ich in München bei Eva Schatton. Sie war auch in Argentinien, und sie lud mich ein, bei ihr ein paar Tage zu verbringen. Wir unternahmen viel und lachten noch mehr. Eva wohnt in der Nähe von Bad Tölz. Ich fuhr mit dem Schlitten und übte Schlittschuh laufen.

Am 17. Februar fuhr ich wieder zu Familie Klein zurück. Da stellte ich meine 2 Power-Points über Argentinien und Puerto Rico vor. Ich zeigte viel aus meiner Provinz Misiones, z. B. Yerba Mate-Tee (wie man den trinkt), rote Erde, Maniokstärke, aus der ich Chipas backte, Alfajores (Gebäck), usw. Meinen Klassenkameraden gefiel meine Arbeit, sie fragten viel.

Vom 4. bis 11. Februar unternahm ich eine Tour mit zwei anderen Austauschschülern von meiner Gruppe, wir waren in Paris und Rom. Wir gingen viel spazieren, die Tage waren super! Wir lernten so viel dabei, der Eiffelturm und das Colosseum waren das beste!

Am 13. Februar fuhr ich nach Freiburg, um Lisa Strecker zu besuchen. Lisa kenne ich auch von dem Brieffreundschaftskontakt. Sie ist sehr nett und lustig. Familie Strecker ist auch sehr lustig und immer bei guter Laune. Ich ging mit Lisa 4 Tage zur Schule. Es war sehr schön, in Freiburg zur Schule zu gehen. Am Wochenende lernte ich die Stadt kennen. Am Samstag besuchten wir das  Münster in Freiburg . Am Sonntag waren wir beim Fasching. Das ist ganz anders als in Argentinien. Am 20. fuhr ich wieder zurück zu Familie Klein.

Am 22. Februar war ich mit einer Pfadfindergruppe in den Bergen. Es gab viel Schnee und es war ein sehr schöner Tag! Am Abend fuhr ich wieder nach Hause...

Am 23. Februar fuhren wir nach Berlin. Wir besuchten den Reichstag, waren auf dem Fernsehturm, am Brandenburger Tor und in Potsdam. Es war nicht kalt, aber es war bewölkt.

Am 26. Februar fuhren wir zurück, weil wir am 27. Februar wieder in die Schule gehen mussten. An diesem Tag sagte ich meinen Klassenkameraden/innen „Tschüss“, es war mein letzter Schultag in Deutschland...

Und so kam der 29. Februar. Wir, alle 10 Austauschschüler, trafen uns am Flughafen in Frankfurt. Frau Zeisig empfing uns und kümmerte sich um unseren Flug. Es war eine lange Reise, aber so schön! Die 3 Monate in Deutschland gefielen mir sehr, die Zeit verging sehr schnell. Ich habe viele neue Eindrücke und Erinnerungen, die ich nie vergessen werde.

Ich danke meiner Familie, auch Bettina Michaelis aus Puerto Rico, sie ist meine Deutschlehrerin; der Wachnitz-Stiftung, die meine Reise organisiert hat;  Frau Danuta Zeisig vom VDA aus Sankt Augustin, die alle zusammen ermöglicht haben, dass ich meinen Traum erfüllen konnte. Danke!!!

Silvana Kunrath
Puerto Rico - Misiones